Die
Silbermann-Orgel
in Pfaffroda


Beschreibung

Geschichte

Bilder

Kontakt

Links



Konzerteinladungen:

Konzerttermine entnehmen Sie bitte direkt der Webseite der Gemeinde Pfaffroda.

Spendenaufruf:

2015 feiert unsere Orgel ihr 300jähriges Jubiläum. Für die durchgeführte Restaurierung wird weiterhin Ihre finanzielle Unterstützung benötigt! Die Kontonummer für Ihre Spende finden Sie auf der Webseite der Gemeinde.




Beschreibung

Die Orgel steht auf der Westempore. Ihr Prospekt enthält die Pfeifen des Principal 8' vollständig plus 3 blinde Pfeifen. Die Schleifladen sind in eine C- (links) und eine D-Lade (rechts) geteilt. Das Pedal spielt durch „a parte“ Ventile ins Manual ein (d.h. ist ständig angekoppelt).

Geschichte

Der Bauvertrag der Gottfried-Silbermann-Orgel in unserer Kirche ist leider nicht mehr erhalten. Erwähnt wurde er aber am 21.02.1715 von Silbermann bei den Verhandlungen wegen der Orgel für die Freiberger Jakobikirche. Der Auftraggeber soll der Kirchenpatron Caspar Heinrich von Schönberg gewesen sein. Aus den oben genannten Verhandlungen ist auch bekannt, dass die Baukosten 600 Taler betrugen. (Zum Vergleich: Ein Taler entsprach 24 Groschen. Ein Maurerlehrling forderte damals 5 Groschen Tageslohn.) Dazu erhielt Silbermann das Holz und Kost, Wohnung und Lager für sich und seine drei bis vier Gehilfen während der Aufsetzzeit von ca. 15 Wochen. Die Gehäusefassung stammt vom Dresdner Hofjagdmaler Johann Christian Butzäus1 und und kostete weitere 100 Taler. Die Einweihung fand schließlich am 25.12.1715 statt.

Es ist das dritte nachweisbare Werk Gottfried Silbermanns, nach seiner Frauensteiner Orgel und der im Freiberger Dom. Wer die Orgel übernommen bzw. geprüft hat, ist nicht mehr nachweisbar. Es ist zu vermuten, dass der Freiberger Domorganist Elias Lindner das Werk prüfte2. Der erste Organist an ihr scheint Theophilus Richter aus Olbernhau gewesen zu sein3.

Im 19. Jh. sind mehrere Pflegearbeiten nachweisbar. 1928 wurde die Orgel von Alfred Schmeisser, Rochlitz, durch Umhängen der Traktur um 1 Ganzton tiefer gestimmt. Zusätzlich wurde eine Aeoline 8' eingebaut, die aber 1967/68 bei der Überholung und Rekonstruktion der Orgel durch Wilhelm Rühle und Sohn, Moritzburg, wieder ausgebaut wurde. Schon 1966 wurde die Gehäusefassung von W. Pitzschler, Crimmitschau, restauriert. Im Rahmen der Schwammbekämpfung und Innensanierung der Kirche (1988-1993) wurde 1992 die Balganlage erneuert und die Orgel gereinigt.

2015 erfolgte die erste große Restaurierung unserer Silbermannorgel durch die Orgelbauwerkstatt Rühle in Moritzburg. Christoph Rühle schrieb dazu:

„Am 27. Januar 2015 haben wir die Silbermannorgel in Pfaffroda zur Restaurierung weitgehend abgebaut. Vor Ort verblieben das Gehäuse, Teile der Registratur, die Prospektpfeifen der Seitentürme, die Wellenbretter, die Windanlage.
Folgende Arbeiten wurden ausgeführt:
1.Grundhafte Restaurierung der Windladen mit Rekonstruktion der Ventile, Federleisten und Federn in der Bauart Silbermanns.
2. Restaurierung des gesamten Pfeifenwerkes. Die offenen Metallpfeifen sind leider bei den oben schon erwähnten Arbeiten 1928 verschnitten worden. Der Zustand der Pfeifen ist nicht gut. Hauptprobleme werden durch die sehr geringen Materialstärken, die Silbermann bei dieser Orgel noch durchgängig verwendet hat, verursacht – bei späteren Orgeln war er bei der Materialstärke dann geringfügig großzügiger, was eine deutlich höhere Stabilität der Pfeifen mit sich bringt. Das zweite Problem bei den Metallpfeifen ist in den gedeckten Registern zu finden. Bei den Arbeiten in der Vergangenheit wurden viele Hüte neu beledert. Dabei ist vermutlich bei den Arbeiten um 1965 Leder verwendet worden, welches nicht gründlich genug gespült war und dementsprechend noch salzhaltig blieb – in der Folge begann durch Reaktion der Salze mit der Feuchtigkeit aus der Umgebung ein starker Oxidationsprozess des Zinns, wodurch an den Pfeifenmündungen zahlreiche kleine Löcher entstanden, welche nun zugelötet werden müssen. Erstaunlicherweise ist dieser Lochfraß an den Hüten kaum zu finden, hauptsächlich befinden sich die Schäden an den Pfeifenmündungen.
3. An der Manualklaviatur wurden teilweise Tastenfronten ergänzt und die zu stark ausgespielten Beläge ersetzt.“

Die Orgel besitzt wieder das Klangbild von Gottfried Silbermann. Einige weitere Informationen sowie Bilder rund um die Restaurierung finden Sie auf der Webseite der Orgelbaufirma Rühle.

Roland Flachmann aus Dresden restaurierte das Gehäuse. Dabei wurden defekte Teile erneuert und farbliche Reparaturen ausgeführt. Der Zustand des Orgelgehäuses ist nun in der Ausführung von 1715 gesichert.

Disposition: (nach [1] )

Manual, C.D - c3
  1. Principal 8', englisches Zinn

  2. Octava 4', englisches Zinn

  3. Nassat 3', Metall, gedeckt mit Röhrchen, ab fis1 offen, weit, Zinn

  4. Octava 2', englisches Zinn

  5. Quinta 1½', englisches Zinn

  6. Sufflöte 1', englisches Zinn

  7. Mixtur 3fach 1 1/3', englisches Zinn

  8. Cymbel 2fach 1', englisches Zinn

  9. Gedackt 8', C - c Fichte, ab cis Metall

  10. Rohrflöte 4', Metall, ab cis2 konisch, Zinn

  11. Quintadena 8', englisches Zinn

  12. Cornett 5fach, englisches Zinn, c1 - c3, 8'-Chor gedeckt mit Röhrchen, aufgebänkt, Verführung durch Bleikondukten

Pedal, C.D - c1
  1. Subbaß 16', Weichholz gedeckt

  2. Posaunenbaß 16', Stiefel Eiche, Kehlen Metall, Zungen Messing, Krücken Eisen, Körper Weichholz

Tremulant, Klingel

Mixtur 3fach:

C




1 1/3'

1'

2/3'

c



2'

1 1/3'

1'


c1


2 2/3'

2'

1 1/3'



c2

4'

2 2/3'

2'




Cymbel 2fach:

C





1'

2/3'

c




1 1/3'

1'


c1



2'

1 1/3'



c2


2 2/3'

2'




Cornett 5fach:

c1

8'

4'

2 2/3'

2'

1 3/5'



Die Orgel hat drei Keilbälge mit einer Falte. Der Betrieb ist duch Kalkanten oder einen Elektroventilator möglich, an den alle Bälge angeschlossen sind. Der Winddruck beträgt 70 mm WS.

Nach Messungen an den original gedeckten Registern wurde 2015 die Stimmhöhe mit a1 = 465 Hz bei 18 °C festgelegt. Gestimmt ist das Instrument nach Silbermann 1/6 pythagoreischen Komma, eine gemilderte mitteltönige Stimmung, die den Messungen an den historischen Pfeifen am nächsten kommt.

Relative Stimmung der einzelnen Töne der Silbermann-Orgel Pfaffroda (Cent-Werte) (Quelle: [2])

c

cis

d

es

e

f

fis

g

gis

a

b

h

+5,87

-7,82

+1,96

+11,73

+1,96

+7,82

-5,87

+3,91

-9,78

0,00

+9,78

-3,91




Anfragen bitte an das Pfarramt der

Ev.-Luth. Kirche Pfaffroda
Freiberger Str. 9
09526 Pfaffroda

eMail-Adresse: kirche.pfaffroda at web.de

homepage www.kirchspiel-olbernhau.de

Beim Pfarramt sind auch wieder CDs mit Aufnahmen der Pfaffrodaer Orgel erhältlich!

Es spielt Bernard Foccroulle Frühe Orgelwerke von Johann Sebastian Bach:

1. Meine Seele erhebt den Herrn BWV 733
2. Nun komm der Heiden Heiland BWV 699
3. Gelobet seist du, Jesu Christ BWV 697
4. Herr Christ der einig Gottes Sohn BWV 698
5. Gottes Sohn ist kommen BWV 703
6. Christum wir sollen loben schon BWV 696
7. Lob sei dem allmächtigen Gott BWV 704
8. Vom Himmel hoch da komm ich her BWV 701
9. Vom Himmel hoch da komm ich her BWV 700
10. Fuga super „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ BWV 716
11. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend BWV 726
12. Fuge C-Dur BWV 946
13. Fuge e-Moll BWV 945
14. Auf meinen lieben Gott BWV 744
15. Auf meinen lieben Gott ohne BWV
16. Fantasia super „Christ lag in Todesbanden“ BWV 695a
17. Wir glauben all an einen Gott BWV 765
18. Fantasia g-Moll BWV 917
19. Fuge e-Moll BWV 956
20. Präludium C-Dur BWV 943
21. Fuge C-Dur BWV 953
22. Präludium und Fughetta d-Moll BWV 899
23. Präludium und Fughetta F-Dur BWV 901
24. Präludium und Fughetta G-Dur BWV 902
25. Jesus meine Zuversicht BWV 728
26. Fantasie und Fuge a-Moll BWV 904

Fragen und Kommentare zur Gestaltung der Website gehen an jan at janbeyer.de .

Quellenverzeichnis:

[Foto] Fotoatelier H. Schmidt, Olbernhau

[1] Ulrich Dähnert: Historische Orgeln in Sachsen; VEB Deutscher Verlag für Musik Leipzig, 1. Auflage, 1980

[2] Orgelbau Rühle, Moritzburg, 2015

[3] Werner Müller: Gottfried Silbermann - Persönlichkeit und Werk; VEB Deutscher Verlag für Musik Leipzig, 1. Auflage, 1982

[4] Werner Müller: Auf den Spuren von Gottfried Silbermann; Evangelische Verlagsanstalt, 8. Auflage, 1993


Fußnoten zum Text:



1Es sind auch die Schreibweisen Butze, Pute und andere zu finden.

2Er prüfte im September 1714 das Conradsdorfer Positiv und im November 1716 die Niederschönaer Orgel. Außerdem nahm er gemeinsam mit mit dem Kantor und Musikdirektor Johann Samuel Beyer die Werke zu St. Jacobi (Januar 1718) und St. Johannis (Juli 1719) in Freiberg ab. (Quelle: [3] )

3Richter wurde am 5.4.1679 in Olbernhau als Schuhmacherssohn geboren und hatte eine außergewöhnliche berufliche Entwicklung. Um 1700 war er Musiker und Schuhmacher in Olbernhau, danach als Schuhmacher und Adjuvant bei der Olbernhauer Kantorei. 1716 wurde er Organist in Pfaffroda, 1718 Landrichter in Olbernhau. (Quelle: [3] )


weiterführende Links: